Wilhelm Joliet

 

VOM SCHULWESEN ÄLTERER ZEIT*

 

Die Anfänge der Volksbildung lagen in ältester Zeit einzig und allein in den Händen der Kirche.

Kaiser Karl der Große (768-814) ordnete an, dass in jeder Pfarrei eine Schule errichtet würde und ebenso bei jeder Kathedralkirche. Er selbst nahm sich des Schulwesens an, besuchte die Schulen und ermunterte Lehrende und Lernende, sich fleißig zu bilden, da er für den Staatsdienst nur bestens ausgebildete Leute gebrauchen könne. Er förderte den Lateinunterricht und den Kirchengesang für angehende Priester. In den Klöstern gab es zwei Arten von Schulen, eine innere und eine äußere, die innere, welche die angehenden Mönche selbst und die äußere, die auch Schüler, die dem Kloster zum Zwecke der Ausbildung überwiesen wurden, unterrichteten.

Die bedeutsamsten Träger der Kultur waren die Söhne des heiligen Benedikt von Nursia (480-543). Die berühmtesten Klosterschulen waren St. Gallen, Reichenau, Fulda und Corvey.

Der deutsche Boden erfuhr eine völlige Umgestaltung durch die Rodungen, welche die Mönche und bald auch die Schüler derselben vornahmen. "Ora et labora" – Gebet und religiöse Versenkung im Kontrast zu harter Arbeit, diese Lebensregeln formten Menschen und Landschaften.

Waren es vor allem die Glaubenswahrheiten, die von den Mönchen dem Volke vermittelt wurden, so wurde aber auch der Sinn für Schönes und Belehrendes (Liturgie, Kirchengesang, Lesen, Schreiben und Kunst in jeglicher Form) geweckt. Die alte Christianität Siegburg, die den gesamten Gau umfasste, zählte im ausgehenden Mittelalter nicht weniger als 18 Klöster, die im Laufe der Zeit Glaube, Sitte, Kultur und Kunst prägten. Die bedeutendsten dieser Klöster waren die Benediktiner-Abtei auf dem Michaelsberg zu Siegburg die Zisterzienser-Abtei Heisterbach, das Minoritenkloster Seligental, das Kloster der Augustiner- Chorherren in Bödingen, die Zisterzienserinnenklöster zu Zissendorf und Herchen, sowie das Augustinerinnenkloster zu Merten. - Eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung von Glaube, Sitte, Kultur und Kunst übernahm auch die Propstei Oberpleis.

Wird zum Beispiel im Zusammenhang mit der Klosterschule der Minoriten zu Seligental schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch eine dem Volke zugängliche Schule erwähnt, so konnte ich für die Propstei Oberpleis keine das Schulwesen betreffenden Dokumente dieser Zeit finden.

Auch vom Oberpleis nahe gelegenen Kloster Heisterbach, über welches eines der besten Urkundenbücher Auskunft gibt und über das die meisten Publikationen aller rheinischen Klöster vorliegen, weiß man über eine Klosterschule nur sehr wenig.

Kloster Heisterbach hat eine Reihe geistig hervorragender Männer aufzuweisen. Für die frühe Zeit hebe ich den Magister Gerardus hervor, der vorher Scholaster in Bonn war, den feingebildeten Abt Heinrich (1208 - 1240), der das Kloster auf eine seitdem nie wieder erreichte Höhe brachte, und den Mönch Bernhard, der mit dem Domscholaster Johann von Köln in den Niederlanden den Kreuzzug predigte.

Der Name des Theologen, Lehrers und Novizenmeisters Cäsarius ist unzertrennlich mit Heisterbach verbunden.

Die Seelsorger, die von den Klöstern in die ihnen unterstehenden Pfarreien kamen, müssen aber entsprechende Schulung erhalten haben, die sie befähigte, das Volk im Glauben zu erhalten und zu festigen, ihm aber auch die einfachsten Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln. Dies gilt in unserer Heimat besonders für die Klöster Heisterbach und Siegburg; aber auch für die Propstei Oberpleis. Hier ist noch ein weites Gebiet für Heimatforscher offen.

Die meisten Schulen des Siegkreises entstanden erst im 17. Jahrhundert nach dem Dreißigjährigen Krieg oder sogar noch später. Sie fristeten bis in die preußische Zeit hinein vielfach ein kümmerliches Dasein. Meist verdanken sie ihre Gründung der Geistlichkeit. In vielen Gemeinden des Siegkreises, so auch in Oberpleis, war das Lehramt mit dem Küsterdienst vereint. Die Kinder zahlten Schulgeld. Abgesehen von den ungenügenden Schuleinrichtungen ließ ein unregelmäßiger Schulbesuch nur geringe Erfolge erzielen. Vielfach wurde nur im Winter unterrichtet, während die Kinder im Sommer den Eltern bei den Feldarbeiten halfen oder das Vieh hüteten.

Im März 1770 erließ Herzog Karl Theodor die folgende Verfügung:

"Mit den katholischen Schulmeistern ist es schlecht bestellt, wer sich hinfüro auf eine erledigte Stelle meldet, muss beibringen ein Zeugnis vom Landdechanten wegen Fähigkeit im Katechismus, Katechisieren, sodann in dem Teutsch und Latein, in dem Buchstabieren, Lesen, lesbar schreiben und den 5 Specibus und darüber ein Zeugnis ablegen." Im Jahre 1794 erließ Herzog Karl Theodor nochmals eine Schule und Einrichtung der Schulgebäude betreffende Verordnung,.

Namentlich dort, wo es Frühmessner gab, betrauten die Pfarrer oft die Inhaber dieser Stellen mit der Schulvikarie. Bei diesen Schulvikaren war das Schulamt durchweg in guten Händen.

In den meisten größeren Pfarrorten wurde es erforderlich, dass außer dem vom Pfarrer zelebrierten Hochamt des Sonntags noch eine zweite Messe als Frühmesse gelesen wurde. Vielfach wurden in diesem Sinne Stiftungen gemacht. Doch reichten die Messestiftungen in der Regel zur Besoldung eines Frühmessners nicht. Deshalb übertrug man dem Primissar oder Frühmessner gleichzeitig die Schule mit ihren Einkünften. Meist waren es junge, eben geweihte Geistliche, welche als Schulvikare und Frühmessner wirkten. Sie erhielten oft schon nach zwei bis drei Jahren Pfarrstellen. Der ständige Wechsel brachte allerdings für die Schulen mancherlei Nachteile.

Im Jahre 1804 wurde durch die Bergische Regierung zu Düsseldorf das Primissariat offiziell mit der Lehrerstelle verbunden und Geld für die Besoldung der Lehrer bereitgestellt. Die Geldmittel stammten aus dem bergischen Schulfond, den man durch Einziehung von Kloster- und Kirchengütern gewonnen hatte. In den Orten, in denen keine Frühmesse zelebriert wurde, war man im 18. Jahrhundert für die Ausbildung der Kinder auf Personen angewiesen, deren Vorbildung recht dürftig war. Wie gering die Prüfungsanforderungen waren, ersieht man z. B. aus folgender Angabe:

1800 ließ der Landdinger von Hennef einen Bewerber aus einem Buche vorlesen und den Satz schreiben: "Ich möchte Schullehrer in Seelscheid werden." Damit hatte er das "Examen" bestanden.

1801 wurde die Prüfung der Lehrer angeordnet, eine Schulkommission eingerichtet und das schulpflichtige Alter vom 9. bis zum 12. Jahre festgesetzt. Es wurden ebenfalls Schulvorstand, Schulpfleger und Schulrat bestimmt. Schon unter der bayrischen Regierung waren im Herzogtum Berg ernstgemeinte Versuche gemacht worden, das gesamte Schulwesen zu ordnen und zu heben. Diese Versuche nahm Joachim Murat 1806 im Namen Napoleons wieder auf. Doch bald wurde er zur Teilnahme an dem preußischen Kriege abberufen und nach seiner Beendigung auf den Königsthron von Neapel erhoben. In Berg, das Napoleon für seinen Neffen, Sohn des König Ludwig von Holland, in eigene Verwaltung nahm, trat an die Spitze der Geschäfte Graf Beugnot als Kaiserlicher Kommissar.

Im Hauptstaatsarchiv zu Düsseldorf liegt ein aus dieser Zeit stammendes handgeschriebenes Aktenstück (Berg. Kultusakten 790), das von Administrationsrat Hardung verfasst wurde, der seit 1807 Direktor des öffentlichen Unterrichts war. Dieses Gutachten beschreibt den Zustand des bergischen Schulwesens im Jahre 1809. Dieses Aktenstück möchte ich gerne in Auszügen zur Kenntnis bringen:

 „Primär – Schulen. Es bestehen deren in dem Großherzogthum für den Umfang welchen dieses im Jahre 1807 hatte,

Katholische  394

Protestantische 566

Jüdische 28

Summa 988

 

Lehr-Gegenstände für die Elementar-Schulen:

Religions-Unterricht, Lesen, Schreiben, Rechnen, in den Städten französische Sprache und im allgemeinen diejenigen gemeinnützigen Kenntnisse, welche auf die Landwirthschaft und das bürgerliche Leben Bezug haben.

 

Besoldung der Schullehrer

Diese besteht in den meisten einzelnen Provinzen aus einem geringen Theile fixen Einkommens, und dem von den Kindern zu entrichtenden monathlichen Schulgelde. Im Herzogthum Berg ist angenommen, dass der Jahrgehalt des Schullehrers 80 Rthl. betragen, und aus Communal-Mitteln erhoben werden soll und dass benebst ein monathliches Schulgeld von jedem Kinde mit 7 1/2 Stüber zu entrichten sei. Die Beinahme des Gehaltes hat bisher in vielen Gemeinden wegen deren Unvermögenheit nicht ausgeführt werden können. Einige Gemeinden ist indess unter der vorigen Bayerischen Regierung der Gehalt des Lehrers aus dem Klosterfonds, d. i.. aus dem Gute der nach dem Regensburger Recess von 1803 aufgehobenen Abteyen und Klöster angewiesen worden."

Dem Elementarschulwesen war Beugnot's Sorge besonders zugewandt, doch ehe die von Beugnot angeregten Fragen zur Hebung des Schulwesens entschieden waren, machte die Völkerschlacht von Leipzig allen derartigen Erwägungen ein Ende.

Die Neuordnung des Schulwesens nahm 1818 unter preußischer Regierung erste konkretere Formen an. Aber erst durch Schaffung des "Provinzial-Schulkollegiums" mit Kabinettsorder vom 31.12.1825 wurde eine Stelle vorgesehen, die sich einzig und allein mit Schulangelegenheiten zu befassen hatte.

 

* Veröffentlichung an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung des Autors. Der Aufsatz erschien im Oktober 1981 in der Festschrift zum 125-jährigen Bestehen des Gemischten Chores des MGV 1856 Oberpleis e.V. .

nach oben

Hier geht’s weiter zur nächsten “Schulseite”.

[Willkommen in Wahlfeld] [Was Neues?] [Aus der Wahlfelder Kurve] [Blick nach Oberpleis] [alte Orte und Töne] [Pleese Wind] [Schule früher in Oberpleis] [The Dixaners] [De Zoch kütt!] [Links] [Downloads] [Impressum]